Predigt Pfingstsonntag

 

Liebe Gemeinde,

 

haben Sie die Schriftlesung (1. Mose 11,1-9 Der Turmbau zu Babel) von gerade eben noch im Ohr – der Turmbau zu Babel – die Menschen mit ihrem Turm der bis in den Himmel reicht und dann ziemlich ironisch: Gott der erstmal herniederfahren muss, um das Türmchen überhaupt zu sehen.

Und dann: die Sprachverwirrung – plötzlich verstehen sich die Menschen nicht mehr und der Turmbau nimmt ein jähes Ende.

 

Unser Predigttext heute – er ist quasi der Gegentext zur Schriftlesung – das Gegenwunder im neuen Testament.

 

Ich lese Ihnen aus Apg 2 – das Pfingstwunder

 

Lesung Predigttext Apg 2,1-13

 

Das Pfingstwunder

21 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?

8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?

9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,

10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen,

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?

13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

 

Turmbau zu Babel und die Pfingstgeschichte – 2 Welten 2 ganz unterschiedliche Welten begegnen sich:

 

Zum Einen der Turm zu Babel - den gab und gibt es übrigens tatsächlich; - aber es geht nicht um einen äußeren Turm;

- sondern um den inneren Turm, der bis zum Himmel reicht.

Es gibt immer wieder Menschen, die Gott sein wollen, die sich überlegen fühlen; die auf andere herabschauen.

Das schlägt sich nieder: z. B. in Vorurteilen; im Hass einer Gruppe gegen die andere, eines Volkes gegen das andere - bis hin zu brutalen Unmenschlichkeiten.

Und unsere Welt ist leider voll davon.

Und auch wenn wir äußerlich Alle die gleiche Sprache (z. B. deutsch) sprechen, gibt es immer wieder ein solches Gegeneinander. Da ist dann Kein Verstehen und kein Akzeptieren.

Und dann ist in der Welt der Teufel los - weil man vergessen oder verdrängt hat, dass wir Menschen sind. Alle. Ausnahmslos.

Und dann heißt es im Bibeltext: „Gott aber stieg herab, um sich anzuschauen, was die Menschen gemacht hatten.“ Ein wunderbares Bild dafür, dass Gott weit höher ist als diese Möchte-gern-Gottheiten es sich vorstellen können.

Und in solcher Über-heb-lichkeit - wenn man sich über die andern drüber hebt - da gibt es keine gemeinsame Sprache.

Gott zerstreute sie.“ So heißt es im Text. Und die Menschen, die aus diesem Un-Geist handeln, nehmen eigentlich Gott diese Arbeit ab; sie sorgen selber für die (innere) Zer-streuung, für Mauern zwischen Menschen.

 

Und dann gibt es da - Gott sei Dank - zum Andern diese ganz andere Geschichte: vom Pfingstereignis -

 

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

7 Sie (die Menschenmenge) entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?

8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?

 

Das Pfingstwunder ist ein Wunder des Verstehens – Menschen, die sich vorher nicht verstanden haben sprechen eine Sprache. Können miteinander reden und reden nicht aneinander vorbei.

Liebe Gemeinde,

Verstehen und Verständnis sind gerade in einer aufgeladenen und angespannten Situation wie wir sie jetzt haben ein hohes Gut. 

Am Himmelfahrtstag haben wir als Familie einen kleinen Ausflug auf die Wolkenhütte gemacht. Hinter uns in der Hütte hatte sich eine kleine Gruppe zusammengesetzt und wir „belagerten“ die Bank weiter vorne mit einer tollen Aussicht.

Und es dauerte gar nicht lange bis von hinten ziemlich laute Stimmen an unsere Ohren drangen. Erst noch ruhiger und beherrscht, dann aber immer lauter und zum Schluss dann doch ein ziemlich energischer echter Streit.

Und: raten Sie mal, worum es bei dem Streit ging? Genau: Corona und was war nötig und sinnvoll? Wie sollte man weitere Beschränkungen lockern? Welche Verordnung macht wie Sinn – oder eben auch nicht.

Und, liebe Gemeinde, ich glaube, dass die sich gerade über dieses Thema in die Haare bekommt ist gerade kein Einzelfall, sondern eher der Regelfall. Diese Krankheit hat einfach das Leben so wie wir es bisher kannten komplett auf den Kopf gestellt und jeder und jede versucht sich irgendwie mit dieser „neuen Normalität“ zu arrangieren. Bzw. erst einmal zwischen alle 2 Wochen sich ändernden Verordnungen eine „neue Normalität“ überhaupt irgendwo zu finden.

Meistens nicht einfach – und meistens sind die Gemüter schon recht erhitzt und die Nerven liegen blank.

Und in dieser Situation feiern wir unser Pfingstfest. Ein Fest, dass vom Geist Gottes berichtet, der uns Christinnen und Christen geschenkt ist. Ein Geist, der dazu führt, dass sich Menschen verstehen. Dass sich Menschen nicht wie in der Erzählung vom Turmbau zu Babel übereinander erheben und dann zerstreut werden. Sondern dass Menschen miteinander reden und feststellen, dass sie eine Sprache sprechen – sich verstehen.

Wenn ich mich anschaue, dann bin ich gerade schnell dabei, meine Meinung für die einzig richtige zu halten. Schließlich macht man sich ja auch Gedanken und kommt zu seinen Schlüssen, was in der jetzigen Situation gut und angebracht ist.

Vielleicht geht es ihnen ähnlich wie mir.

(Und jetzt übertreibe ich ein bisschen)

Und wenn ich dann erstmal meine Meinung habe, dann ist diese Meinung auch richtig. Schließlich ist es ja meine Meinung und ich habe mir ausreichend Gedanken darüber gemacht. Und dann kann ich es gar nicht gut haben, wenn da Menschen sind, die das alles ganz anders sehen als ich.

Denn – das kann schließlich nur an einem liegen – die haben eben noch nicht so gut und intensiv nachgedacht wie ich – sonst wären sie ja schließlich meiner Meinung.

Und dann helfe ich Ihnen beim Nachdenken, indem ich Ihnen genau erkläre wie man das zu sehen hat.

Und wenn es dann auch nicht wirkt, naja, dann ist da eben Hopfen und Malz verloren.

Und so baue ich mir dann meinen Turm zu Babel und setze mich ins höchste Turmzimmer und schaue auf den Rest herab.

Liebe Gemeinde,

natürlich – ein bisschen übertrieben – eine Karikatur. Aber in der jetzigen Situation, in einer äußerst polarisierten und gespaltenen Gesellschaft nicht ganz so weit weg von der Wirklichkeit.

Und dann feiern wir Pfingsten – Gottes Geist – der Heilige Geist ist uns geschenkt. Ein Geist, der mir die Augen für meine Mitmenschen öffnen will. Ein Geist, der im Gegensatz zum Geist, der in der Turmbauerzählung herrscht, ein Geist der Demut ist. Ein Geist, der mir immer wieder klar macht Gott ist Gott und wir alle miteinander sind Menschen.

Wir alle, auch Politiker, sind Menschen: und dazu gehört es, dass wir uns irren können, dass wir eine unüberschaubare Situation eben nicht einfach überschauen können, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen treffen, die selbstverständlich auch falsch sein können. Die anderen können sich irren – aber ich kann mich genau so irren. Und manchmal, da gibt es auf dieser Welt eben auch nicht den besten Weg, sondern nur 2 Übel zwischen denen man entscheiden kann.

Gottes Geist lässt uns wissen, dass wir Menschen sind – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und als Menschen dürfen und sollen wir uns begegnen – nicht mit der selben Meinung – aber mit der selben Liebe und Achtung füreinander.

Und in diesem Geist Gottes dürfen wir bauen – nicht an einem Turm, der in den Himmel reicht, sondern an Lösungen, die uns im Großen und im Kleinen durch diese Krise tragen.

In Achtung und Liebe für unsere Mitmenschen miteinander Wege gehen, die auch durch schwierige Zeiten führen. Gottes Geist – der Heilige Geist – er ist ein Geist, der Verständnis weckt und der uns daran hindert uns über unsere Mitmenschen zu erheben.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

7 Sie (die Menschenmenge) entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?

8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?

Amen