Andacht zum Hirtensonntag, 25.4. 2020 (zweiter Sonntag nach Ostern) 

 Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal kann man sie auch bei uns in Obertal noch sehen – Schafhirten. Meistens Anfang April treibt ein Hirte seine Schafe bei uns durchs Obertal. Hier einige Bilder aus den letzten Jahren.

 

Ich finde es immer sehr faszinierend, wie der Hirte mit seinen Hunden auf so eine große Menge Schafe aufpassen kann und diese Schafe dann auch noch dorthin gehen, wo er sie hinführt. Schließlich haben die Schafe ja auch ihren eigenen Kopf. Sie wollen mal hierhin mal dorthin, weil dort vielleicht das Gras grüner aussieht. Und trotzdem: der Schäfer und seine Herde kommen voran und so lange dauert es gar nicht, bis sie wieder verschwunden sind. Mit wachsamen Augen passt der Schäfer auf seine Herde auf und greift dort ein, wo es nötig ist.

In unserer Bibel wird Gott bzw. Jesus Christus immer wieder als ein Hirte beschrieben. Ein Hirte, der auf seine Schafe, auf seine Menschen, aufpasst und der sie führt und leitet. Deshalb hat der heutige Sonntag den Beinamen „Hirtensonntag“. 

Der vielleicht bekannteste Text aus unserer Bibel, in dem Gott uns als „guter Hirte“ vorgestellt wird, ist Psalm 23. 

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

Der Psalmbeter von Psalm 23 vergleicht Gott mit einem guten Hirten. Er hat die Erfahrung in seinem Leben gemacht, dass Gott bei ihm ist und auf ihn aufpasst. Er versorgt ihn mit dem, was er zum Leben braucht und damit ist nicht nur der Körper sondern auch die Seele gemeint. Und wenn er in seinem Leben zurückblickt, dann stellt er fest, dass Gott es war, der ihn geführt hat und der bei ihm war. Er war bei ihm an den guten und schönen Tagen, aber eben auch in den finsteren Tälern seines Lebens. Diese Erfahrung gibt ihm Kraft, Mut und Zuversicht, wenn er in die Zukunft schaut.

 

Später dann, im neuen Testament nimmt Jesus Christus das Bild vom guten Hirten wieder auf und als Sohn Gottes überträgt er es auf sich selbst. So z.B. im Wochenspruch für die kommende Woche:

 

"Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben." | Joh 10,11a.27–28

 

Jesus Christus sagt von sich selbst, dass er derjenige ist, der in einer ganz besonderen Beziehung zu uns Christinnen und Christen steht. Von sich selbst sagt Jesus, dass er der gute Hirte ist, der jeden Einzelnen und jede Einzelne kennt. Er weiß, was wir brauchen, er weiß was uns gerade beschäftigt, er weiß, womit wir vielleicht gerade nicht klarkommen. Jesus Christus kennt „seine Schafe“. Und noch ein Zweites wird gesagt: Jesus Christus beschenkt „seine Schafe“. Er gibt ihnen das ewige Leben. Leben in der Gemeinschaft mit Gott, dass kein Ende findet. 

Auf der anderen Seite wird von „den Schafen“ d.h. von uns Christinnen und Christen gesagt, dass sie auf die Stimme ihres Hirten hören und ihm folgen. 

„Hören“ und „Folgen“ – das klingt in diesem Vers so schön und glatt, aber wer schon mal den Durchzug der Schafe durch Obertal beobachtet hat, der weiß, dass diese Schafe nicht in „Reih und Glied“ marschieren. Das wusste Jesus Christus sicherlich auch, weil der Hirtenberuf zur Zeit Jesu ein ganz alltäglicher Beruf war. Die Schafe – wir Menschen, gehen gerne unsere eigenen Wege. „Der Hirte will dorthin – aber vielleicht ist das Gras da hinten ja doch saftiger?“. Und trotzdem kann man beobachten, dass die Herde vorankommt. Am Ende sind sie alle auf ihrer Weide. Und so stelle ich es mir auch bei unserem guten Hirten Jesus Christus vor. Wir Christinnen und Christen gehen auch gerne unsere eigenen Wege und Umwege, doch der gute Hirte ist derjenige, der dafür sorgt, dass wir ankommen: „und ich gebe ihnen das ewige Leben“

 

Hirtensonntag – wir feiern, wir erinnern uns daran, dass Gott, dass Jesus Christus bei uns ist und uns führt und leitet. Gerade in dieser Zeit, in der die Welt Kopf steht, in der sich unser Leben in einem Ausmaß verändert hat, dass wir uns vor 2 Monaten wahrscheinlich noch gar nicht haben träumen lassen – gerade jetzt empfinde ich dieses Bild von Gott als einen „guten Hirte“ als ein sehr tröstliches. Denn es erinnert mich daran, dass Gott an meiner, an unserer Seite ist, auch wenn wir gerade nicht so genau wissen, wie es weitergehen soll. Auch dann, wenn alles in der Schwebe ist und Dinge, die wir für selbstverständlich gehalten haben, plötzlich nicht mehr so sicher und selbstverständlich sind.

„Der Herr ist mein Hirte“   darauf möchte ich mich verlassen, darauf möchte ich mein Vertrauen setzen – auch in dieser unsicheren Zeit.

Ihnen eine behütete und gesegnete Woche

Pfarrer Daniel Hoffmann